Montag, 21. Mai 2012

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VFD-Saar

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Verenas Odyssee beim Pferdekauf Drucken
Verenas Odyssee beim Pferdekauf

Früher war alles einfacher. Das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse des letzten halben Jahres – denn knapp sechs Monate lang war ich auf der Suche nach meinem inzwischen dritten eigenen Pferd.

Bei den ersten beiden Pferden war die Suche nur eine Frage weniger Tage. Unser erstes Pferd Winnetou war vor knapp 15 Jahren das erste Pferd, das wir uns angeschaut haben. Er war brav, schien auf den ersten Blick gesund und schon hatten wir ihn gekauft. Nachdem Winnetou zwei Jahre später wegen einer Krankheit, die durch eine Ankaufsuntersuchung wohl zu erkennen gewesen wäre, eingeschläfert werden musste, machten wir uns erneut auf die Suche. Und wieder ging’s schnell: Queen war das zweite Pferde, das wir anschauten, allerdings beim selben Händler. Als auch sie dann wegen der Folgen eines Unfalls eingeschläfert werden musste, hatte ich die Nase voll von eigenen Pferden und es begann für mich eine wunderschöne Zeit als Reitbeteiligung. Und ich muss gestehen: Meine Reitbeteiligungspferde waren alle deutlich besser als unsere eigenen es jemals waren.

Und trotzdem wollte ich im Frühsommer 2008 – gut 10 Jahre nach dem Tod meiner letzten Stute - wieder ein eigenes Pferd. Und ich war der Meinung, dass meine Ansprüche gar nicht so hoch waren: Ich wollte ein gesundes Wanderreitpferd, das aber auch in der Lage ist, auf dem Platz eine annehmbare Figur zu machen. Ein braves, nettes, absolutes Verlasspferd. Nicht zu groß, nicht zu klein. Farbe und Geschlecht egal, Alter zweitrangig. Kaufpreis bis 4000 EUR. Ist das zuviel verlangt? Inzwischen kann ich sagen: Es ist verdammt viel verlangt!

Und trotzdem hat es wieder auf den ersten Blick so richtig gefunkt. Er hieß Tequila und war ein bildschöner 13jähriger Araberwallach. Beim Probereiten zeigte er sich willig und engagiert, im Umgang war er einfach ein Traum. Doch da waren zwei ganz dicke Abers. Erstens: Tequila war sein Leben lang fast ausschließlich Rasenmäher gewesen, wurde maximal einmal im Jahr geritten, Kondition gleich Null, Ausbildung noch auf Grundschulniveau. Zweitens: Eine dicke Schwellung auf der Schulter, vermutlich schon seit Jahren dort, die es praktisch unmöglich machen würde, einen wanderritttauglichen Sattel zu finden. Und trotzdem war Tequila ein absolutes Traumpferd. Während der Sucherei habe ich sehr oft gedacht, ich hätte ihn doch kaufen sollen. Vielleicht hätte ich ja doch noch alles in den Griff bekommen können… Es folgte jedoch eine Menge anderer Pferde. Da waren die jungen Wilden, die sicher toll aber für mich ohne Zweifel eine Nummer zu groß waren. Und da waren die Pferde, denen man einfach nur einen schnellen Abschied von ihrem jetzigen Besitzer wünschen konnte.

Aber da war auch ein hübscher Quarterwallach mit netten Besitzern, die angeblich keine Zeit mehr für ihn hatten. Beim früheren Besitzer sei er nicht gut behandelt worden, aber sie hätten ihn wieder hingekriegt. Beim Probereiten hat mich der liebe Vierbeiner von Anfang bis Ende nur verarscht, so dass ich mich gerade noch beherrschen konnte und nicht sagte: „Behaltet doch einfach Euren Sch***-Gaul“. Was ich später habe munkeln hören: Das Pferd sollte wegen einer ernsthaften Verletzung schon vor Jahren zum Metzger. Die jetzigen Verkäufer haben ihn zum Schlachtpreis gekauft, ein paar Jahre auf die Weide gestellt und wollten ihn jetzt zum zehnfachen Preis wieder verkaufen. Was für ein Glück, dass der Wallach mir eh nicht wirklich sympathisch war.
1.jpgWas ich schnell gelernt habe: Die Leute erzählen einem einfach alles. Alle Pferde sind super brav, nett, gesund – bla bla bla. Aber es gibt auch Leute, die reden sich um Kopf und Kragen und merken es nicht einmal. Mit einem Mann habe ich telefoniert, der das Pferd der Tochter verkaufen wollte. Super Pferd (na klar!), tolle Ausbildung (natürlich), kann nur leider wegen einer Sehnenverletzung nicht mehr auf Westernturnieren eingesetzt werden. Eigentlich war mein Interesse mit diesem Satz schon erloschen, denn was soll ich mit einem nicht gesunden Pferd bei langen Wanderritten? Trotzdem fragte ich nach dem Preis und hörte: 3500 EUR inkl. Sattel. Mich interessierte aber der Preis ohne Sattel, da ich bereits einen Wanderreitsattel habe, der ja eventuell passen würde. Da wurde der pferdeverkaufende Vater dann aber ganz Geschäftsmann. Das Pferd gebe es nur mit Sattel, denn dies sei der einzige Sattel auf der ganzen Welt, der diesem Pferd passe. Aha, das zweite Argument, das absolut gegen einen Kauf sprach. Aber jetzt wollte ich es wissen: Wird das Pferd zwingend nur mit Sattel verkauft – also wer den Sattel nicht kauft, der bekommt auch das Pferd nicht? Genau so sei das, meinte der Vater und er merkte gar nicht, was er da für einen Quatsch redete. Ich sagte ihm jedenfalls, dass bereits jetzt das Pferd für mich nicht in Frage kommt und dass es gar nicht nötig sei, es überhaupt nur anzuschauen. Das hatte er offensichtlich nicht erwartet und legte beleidigt auf.

Und da war natürlich auch Monty aus Montabaur. Von der Beschreibung her ein super Pferd, aber ob sich fast fünf Stunde Fahrt bis Montabaur wirklich lohnen würden, da hatte ich nach den bisherigen Erlebnissen so meine Zweifel. Also rief ich ein paar bekannte VFDler in der Gegend an und bat sie, Monty mal anzuschauen. Doch gerade in dieser Woche hatte einfach niemand in der Nähe von Montabaur die Zeit, ein Pferd anzuschauen. Ich nahm das als Zeichen und hakte Monty ab. Ich fing allmählich an, mich zu fragen, ob ich jemals ein eigenes Pferd finden würde und dachte immer häufiger an Tequila, den Bilderbuch-Araber mit dem perfekten Charakter. Ob er wohl schon verkauft war? Trotzdem: Auch wenn das Herz ganz bei Tequila war, der Verstand sagte wohl oder übel nein. Es musste doch noch irgendwo ein vernünftiges Pferd für mich geben.

Ins Grübeln kam ich dann bei Noname, einer sehr kräftigen Stute ohne Namen (daher unser Spitzname für sie). Noname war energisch, hart und wäre sicher ein gutes Wanderreitpferd gewesen. Doch sie hatte eine dicke Narbe quer über die Zunge. Das war für mich der Grund, sie nicht zu kaufen. Wer weiß, was dieses Pferd schon alles erlebt hatte, bevor es nach Deutschland kam.  

Und weiter ging’s: Da war ein Vollblüter, angeblich ein gutes Dressur- und Geländepferd, jetzt auf das Westernreiten umgestellt. Beim Putzen konnte ich jedoch mit der bloßen Hand auf der Sattellage seinen Puls fühlen. Als die Besitzerin ihn dann vorritt, galoppierte sie fast die ganze Zeit. Immer wieder riss sie das Pferd herum, lenkte es gegen die Bande und galoppierte dann in die andere Richtung weiter. Als ich dann aufgestiegen war, erzählte sie begeistert, wie toll ihr Pferd doch die Stopps mit Rollback beherrsche. Und mir ging ein Licht auf, was sie mit ihrem Gegen-die-Bande-Reiten eigentlich zeigen wollte. Ohne die Erklärung wäre ich allerdings nicht darauf gekommen. Jedenfalls lief der Wallach im Trab nicht klar – was wohl ein Grund war, warum die Besitzerin nur galoppiert war. Außerdem hielt er Hühner für die Vorboten des Todes und entsprechend eingeschränkt war die Reiterei. Muss ich noch erwähnen, dass ich auch dieses Pferd nicht haben wollte?

Den wohl traurigsten Fall habe ich mir gar nicht selbst angesehen. Da mein Freund gerade beim Gleitschirmfliegen am Tegernsee unterwegs war, schickte ich ihn zu einer angeblich ganz braven Stute. Ein herzensgutes Pferd sei sie tatsächlich gewesen, bestätigte mir Stefan dann auch – aber ihr hätten die Beine erkennbar so weh getan, dass sie nicht einmal mehr lahmen konnte. Und das schlimmste: Die Besitzer hätten nicht das Geringste gemerkt, galoppierten munter durch die Gegend. Ich habe daher bei der Absage versucht, eine konstruktive Kritik anzubringen. Ob sie etwas bewirkt hat, weiß ich nicht.

Jedenfalls war ich inzwischen absolut ernüchtert. Von allen Pferden war nicht eines dabei, das ich hätte kaufen wollen. Nicht ein einziges. Bis auf Tequila vielleicht. Dann kam Seppi – ein Wahnsinnspferd. Ein Quarter vom alten Schlag, hervorragend ausgebildet, wanderritterfahren. Doch Seppi hatte einen Nachteil, den kein Pferd vor ihm hatte. Ihn konnte ich mir einfach nicht leisten. Immerhin hatte ich die Erkenntnis gewonnen, dass es doch noch gute Pferde auf dieser Welt gab. Ich hoffte also auf meine Suchanzeige in der Zeitschrift „Pferd & Freizeit“. Ich war fest davon ausgegangen, dass ich mir nach Erscheinen des Heftes eine ganze Reihe von  Pferden anschauen würde. Doch die Resonanz auf die Anzeige war exakt gleich Null.

Immerhin kam ab und zu eine Rückmeldung über meine Anzeige auf quoka.de. Hier meldete sich auch eine Melissa, die ein Deutsches Reitpony mit Arabereinschlag zu verkaufen hatte. Ich hatte schon keine wirkliche Lust mehr, mir das Pferd anzuschauen und fasste insgeheim den Entschluss, die Pferdesuche abzubrechen, wenn auch dieses Pferd nicht zu gebrauchen war. Cheyenne hatte ebenfalls keine große Lust, sich von einer weiteren Kaufinteressentin anschauen zu lassen. Auf der Koppel lief sie immer wieder weg, konnte erst nach 10 Minuten eingefangen werden. Dann ließ sie sich aber brav putzen und satteln. Als die Besitzerin sie uns vorritt, erkannten wir jedoch gleich, dass die Stute ordentliche Rückenschmerzen hatte. Sie drückte den Rücken weg, riss den Kopf hoch und lief mehr oder weniger unkontrolliert los.
2.jpgBeim Probereiten war sie dann jedoch mit ganz leichten Hilfen zu kontrollieren. Den unpassenden Sattel konnte ich ihr zwar nicht ersparen, aber das Spiel „Kleine Aufgabe – Dickes Lob“ funktionierte richtig gut. Wir merkten schnell, dass Cheyenne ein Pferd ist, das gefallen will und auch intelligent genug ist, um schnell herauszufinden, was der Reiter von ihr will. Beim Absatteln hat die Besitzerin dann plötzlich angefangen zu weinen. Noch nie sei Cheyenne beim Probereiten so gut gelaufen und sie sei so froh, dass sie mir gefällt und bei mir sicher ein gutes Zuhause hätte. Eine Woche später kam dann der Tierarzt zur Ankaufsuntersuchung und schon kurz darauf stieg Cheyenne in den Anhänger, der sie in ihr neues Leben bringen sollte. Im Nachhinein habe ich übrigens erfahren, dass auch Melissa mich belogen hat. Ich hatte ihr ganz klar gesagt, dass ich nur ein absolut braves und zuverlässiges Pferd kaufen würde. Und sie bestätigte mir, dass Cheyenne genau das sei. Über Google habe ich dann einige Wochen nach dem Kauf jedoch ältere Verkaufsanzeigen von Melissa gefunden. Tatsächlich hat sie Cheyenne verkauft, weil sie nicht mit ihr klargekommen ist. Sie wollte sie gegen ein braveres Pferd tauschen. Als sich da kein Tauschpartner gefunden hat, war Cheyenne plötzlich ganz brav und für 500 EUR weniger zu verkaufen. Trotzdem habe ich mit Cheyenne bis jetzt großes Glück gehabt. Wie sich herausgestellt hat, wurde die Stute früher einmal richtig gut ausgebildet. Seit sie einen passenden Sattel hat und klare Hilfen bekommt, ist sie viel entspannter geworden und zeigt immer mehr von ihrer früheren Klasse. Ich freue mich schon sehr auf die erste Wanderrittsaison mit ihr.

Verena Eckert       

(oberes Bild: Cheyenne bei der Fahrt ins neue Heim)
 

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