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Von
vier, die sich trotz Handicap auf den Weg machten
Märchen
beginnen oft mit „Es war einmal“, so auch in diesen beiden
Fällen:
Christiane
und Filou:
Es
war einmal
möglich 80 km in weniger als sieben Stunden zurück zu legen oder
auch bei einer Zweitagesdistanz 100 in acht einhalb Stunden. Und wie
im Märchen schlägt auch im ganz normalen Leben dann irgendwann das
Schicksal zu. Ein Unfall, unspektakulär und eigentlich harmlos. Es
folgt eine OP, dann die Diagnose: Infekt in der OP-Wunde, ein langer
Krankenhausaufenthalt schließt sich an, eine mehrmonatige Reha. Man
muss das Gehen neu erlernen, das rechte Knie ist versteift, übernimmt
keine Funktion, ist instabil. Die ersten Reitversuche nach fast einem
Jahr sind niederschmetternd, es geht fast gar nichts. Aber da ist ja
immer noch das Fünkchen Hoffnung und zielstrebig wird der
schmerzhafte Weg weiter verfolgt. Im zweiten Sommer nach dem Unfall
klappt es schon besser. Man ist vom Distanzreiter zwar zum
„Seniorenreiter“ geworden, aber dabei sein ist alles. Man reitet
beim Wanderritt nur noch kleine Teilstrecken und überlässt das
Pferd einem anderen Reiter, der dann größere Teilstrecken reitet.
So auch im dritten Jahr nach dem Unfall. Und immer ist da noch der
Gedanke, mal wieder an einem Distanzritt teil zu nehmen.
Dann
kommt die Ausschreibung zur Waderner Distanz mit 25 km Streckenlänge.
Das ist ein neuer Ansporn, hierfür lohnt es sich auch nach drei
Jahren noch regelmäßig zur Krankengymnastik zu gehen und das
stupide Gerätetraining zu absolvieren. Ziel wäre es, innerhalb der
Höchstzeit anzukommen und so in der Wertung zu bleiben. Aber wer
will schon mit einem so langsam reitenden gehandicapten Reiter auf
einem Distanzritt starten???
Michaela
und Bürste
Es
war einmal
ein Norweger namens Bürste, der immer wieder Hufreheschübe hatte.
Er gehörte damals einem Freund von uns. Der Freund hatte ihn
schließlich als unbrauchbar erklärt. Mein Mann Stefan und ich
kennen Bürste schon lange und mögen ihn sehr. Stefan (der
praktischerweise Hufschmied ist), unser Sohn Marcel und ich
beschlossen Bürste „zu retten“ und holten ihn zu uns. Die ersten
Wochen waren hart - für uns alle. Bürste konnte nur dick
eingestreut auf weichem Boden stehen. Das Abspecken mussten wir ganz
vorsichtig beginnen, um seine Blutfettwerte nicht steigen zu lassen.
Um die Hufbeinrotation in den Griff zu bekommen, musste Stefan die
Hufe immer wieder rigoros Kürzen, so dass Bürste die ersten Tage
nach der Hufbehandlung immer sehr klamm ging. Wir gingen vorsichtig
auf ausgewähltem Untergrund mit ihm spazieren, an Reiten war nicht
zu denken. Und doch, ganz allmählich, nach fünf Monaten, begann
Bürste freier auszuschreiten, zeigte auf dem Auslauf einen kleinen
Trab, wurde beweglicher und munterer. Im Februar machten wir die
ersten kleinen Ausritte im weichen Schnee. Im Laufe des Frühjahrs
trabte und galoppierte Bürste unterm Reiter und bewies seine
Qualitäten als zuverlässiges Geländepferd. Aber wann ist ein
Hufrehepferd „gesund“ und angemessen belastbar? So wuchs in mir
die Idee, dass Bürste als fit gelten kann, wenn er an einem kleinen
Distanzritt teilgenommen hat und auch in der Nachuntersuchung noch
munter und taktrein läuft. Es war klar, dass wir (entgegen meiner
Gewohnheit) recht langsam unterwegs sein würden. Doch ein kleiner
Zweifel blieb: War ich zu ehrgeizig? Durfte ich Bürste diesen Test
zumuten?
So
taten wir uns zusammen
…………..und wie in allen Märchen wendet sich dann doch noch
alles zum Guten. Es kommt zwar nicht der Prinz auf dem Schimmel
geritten, aber wir vier starten am 26.9. bei der Waderner Distanz auf
die 25 km Strecke. Für Michaela war dies der langsamste Ritt ihres
Lebens. Für Bürste war es eine sportliche Herausforderung mit
vielen Möhren. Für Christiane war es der Wiedereinstieg nach vielen
Jahren ins Distanzreiten. Für Filou war es eher ein lässiger
Spaziergang.
Und
wir bleiben mit einer Reitzeit von 3 Stunden 17 Minuten in der
Leistungsklasse 4 in der Wertung. Rösser und Reiter bringen die Tour
locker flockig hinter sich.
Unser
Fazit:
es lohnt sich immer weiter zu trainieren, trotz aller Hindernisse,
die man in den Weg gelegt bekommt. Beim Pferd Bürste war die
sorgfältige fachliche Betreuung maßgeblich, aber sicher auch die
Tatsache, dass wir an ihn glaubten und uns um ihn bemühten.Bei
der Reiterin Christiane ist der Wille, auch mal wieder „sportlich“
zu reiten, sehr stark ausgeprägt. Hierfür trainiere ich zu Hause
und auch auf den Ritten. Es geht immer weiter, wenn man nur daran
glaubt und zielgerichtet daran arbeitet. Und für uns vier steht
fest: dabei sein ist alles, oder ankommen ist gewonnen.
Michaela
Kondr mit Bürste - Christiane Claus mit Filou
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