Freitag, 18. Mai 2012

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VFD-Saar

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Distanzreiten-"die Entdeckung der Langsamkeit" Drucken
Geschrieben von: Michaela + Christiane   

Von vier, die sich trotz Handicap auf den Weg machten

Märchen beginnen oft mit „Es war einmal“, so auch in diesen beiden Fällen:

Christiane und Filou:

vogesentrail_vfd-christiane.jpgEs war einmal möglich 80 km in weniger als sieben Stunden zurück zu legen oder auch bei einer Zweitagesdistanz 100 in acht einhalb Stunden. Und wie im Märchen schlägt auch im ganz normalen Leben dann irgendwann das Schicksal zu. Ein Unfall, unspektakulär und eigentlich harmlos. Es folgt eine OP, dann die Diagnose: Infekt in der OP-Wunde, ein langer Krankenhausaufenthalt schließt sich an, eine mehrmonatige Reha. Man muss das Gehen neu erlernen, das rechte Knie ist versteift, übernimmt keine Funktion, ist instabil. Die ersten Reitversuche nach fast einem Jahr sind niederschmetternd, es geht fast gar nichts. Aber da ist ja immer noch das Fünkchen Hoffnung und zielstrebig wird der schmerzhafte Weg weiter verfolgt. Im zweiten Sommer nach dem Unfall klappt es schon besser. Man ist vom Distanzreiter zwar zum „Seniorenreiter“ geworden, aber dabei sein ist alles. Man reitet beim Wanderritt nur noch kleine Teilstrecken und überlässt das Pferd einem anderen Reiter, der dann größere Teilstrecken reitet. So auch im dritten Jahr nach dem Unfall. Und immer ist da noch der Gedanke, mal wieder an einem Distanzritt teil zu nehmen.

Dann kommt die Ausschreibung zur Waderner Distanz mit 25 km Streckenlänge. Das ist ein neuer Ansporn, hierfür lohnt es sich auch nach drei Jahren noch regelmäßig zur Krankengymnastik zu gehen und das stupide Gerätetraining zu absolvieren. Ziel wäre es, innerhalb der Höchstzeit anzukommen und so in der Wertung zu bleiben. Aber wer will schon mit einem so langsam reitenden gehandicapten Reiter auf einem Distanzritt starten???

Michaela und Bürste

michaela_mit_brste.jpgEs war einmal ein Norweger namens Bürste, der immer wieder Hufreheschübe hatte. Er gehörte damals einem Freund von uns. Der Freund hatte ihn schließlich als unbrauchbar erklärt. Mein Mann Stefan und ich kennen Bürste schon lange und mögen ihn sehr. Stefan (der praktischerweise Hufschmied ist), unser Sohn Marcel und ich beschlossen Bürste „zu retten“ und holten ihn zu uns. Die ersten Wochen waren hart - für uns alle. Bürste konnte nur dick eingestreut auf weichem Boden stehen. Das Abspecken mussten wir ganz vorsichtig beginnen, um seine Blutfettwerte nicht steigen zu lassen. Um die Hufbeinrotation in den Griff zu bekommen, musste Stefan die Hufe immer wieder rigoros Kürzen, so dass Bürste die ersten Tage nach der Hufbehandlung immer sehr klamm ging. Wir gingen vorsichtig auf ausgewähltem Untergrund mit ihm spazieren, an Reiten war nicht zu denken. Und doch, ganz allmählich, nach fünf Monaten, begann Bürste freier auszuschreiten, zeigte auf dem Auslauf einen kleinen Trab, wurde beweglicher und munterer. Im Februar machten wir die ersten kleinen Ausritte im weichen Schnee. Im Laufe des Frühjahrs trabte und galoppierte Bürste unterm Reiter und bewies seine Qualitäten als zuverlässiges Geländepferd. Aber wann ist ein Hufrehepferd „gesund“ und angemessen belastbar? So wuchs in mir die Idee, dass Bürste als fit gelten kann, wenn er an einem kleinen Distanzritt teilgenommen hat und auch in der Nachuntersuchung noch munter und taktrein läuft. Es war klar, dass wir (entgegen meiner Gewohnheit) recht langsam unterwegs sein würden. Doch ein kleiner Zweifel blieb: War ich zu ehrgeizig? Durfte ich Bürste diesen Test zumuten?

michaela_im_urwald.jpgSo taten wir uns zusammen …………..und wie in allen Märchen wendet sich dann doch noch alles zum Guten. Es kommt zwar nicht der Prinz auf dem Schimmel geritten, aber wir vier starten am 26.9. bei der Waderner Distanz auf die 25 km Strecke. Für Michaela war dies der langsamste Ritt ihres Lebens. Für Bürste war es eine sportliche Herausforderung mit vielen Möhren. Für Christiane war es der Wiedereinstieg nach vielen Jahren ins Distanzreiten. Für Filou war es eher ein lässiger Spaziergang. Und wir bleiben mit einer Reitzeit von 3 Stunden 17 Minuten in der Leistungsklasse 4 in der Wertung. Rösser und Reiter bringen die Tour locker flockig hinter sich.

distanzreiten_foto.jpgUnser Fazit: es lohnt sich immer weiter zu trainieren, trotz aller Hindernisse, die man in den Weg gelegt bekommt. Beim Pferd Bürste war die sorgfältige fachliche Betreuung maßgeblich, aber sicher auch die Tatsache, dass wir an ihn glaubten und uns um ihn bemühten.Bei der Reiterin Christiane ist der Wille, auch mal wieder „sportlich“ zu reiten, sehr stark ausgeprägt. Hierfür trainiere ich zu Hause und auch auf den Ritten. Es geht immer weiter, wenn man nur daran glaubt und zielgerichtet daran arbeitet. Und für uns vier steht fest: dabei sein ist alles, oder ankommen ist gewonnen.

Michaela Kondr mit Bürste - Christiane Claus mit Filou

 

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